Mehr als 2000 verkaufte EPs und über 200 Konzerte in ganz Europa liegen zwischen der
Idee einer Band und dem mittlerweile dringend erwarteten aber noch nicht offiziell ver-
öffentlichten ersten Album von Lingby.
Für “Count The Stars” konnten die fünf Kölner den Produzenten Florian Bechte (Werle und
Stankowski, Timid Tiger) gewinnen, der Lingbys klangvolle Chorgesänge, Fanfaren, Pianos
und allerlei akustische Spielereien in einen stimmigen Querschnitt aus fünf Jahren Band-
historie verpackt. Mit Leichtigkeit konstruieren Lingby multiinstrumentale Arrangements
mit wunderschönen und bisweilen erstaunlich simplen Melodien. Mal süß plätschernd, mal
dramatisch wabernd oder lustig quietschend laden sie von vornherein zu keiner wirklichen
Einordnung ein. Dafür haben sich Willi Dück, Judith Heß, Jan Aumann, David Caspar und
David Schütte auch aus zu unterschiedlichen Ecken musikalischer Sozialisation zusammen-
gefunden. Durch viel Engagement und Anspruch haben sie Lingby zum wahrnehmbaren
Ganzen gemacht. Trotzdem steckt in “Count The Stars” von klassischer Musikausbildung
und Komposition über akustischem Songwriting und gitarrenwandlastigen Proberaumer-
fahrungen bis hin zu elektronischer Experimentierfreudigkeit noch immer alles drin. Mit
den Einflüssen, von Arcade Fire bis Laura Veirs, verschmilzt dann “alles” zu einer sehr per-
sönlichen Handschrift. Ein bisschen so als ob Natasha Khan mit Death Cab For Cutie den
Soundtrack für eine neue Staffel Pushing Daisies aufnehmen würde — nur in echt und Ein-
klang. Bis zu dem irritierenden Moment, wenn die introvertierten Konstrukte ohne Vor-
warnung in verstörte Disharmonien auslaufen und dem konsumorientierten Hörer den
Mittelfinger zeigen. Auf einmal marschiert mitten in die emotional aufgebauschte Phantasie-
landschaft ein etwas unheimlicher Spielmannszug mit Querpfeifen und Glockenspiel oder
ein abgefuckter Gitarrenrocker produziert schräge Rückkopplungsgeräusche zu choral-
artigen Gesängen. Mitunter unsanft — der Weckruf aus der schönen Zerstreutheit. Aber
berechtigt. Schließlich erzählen Lingby zu alle dem auch noch bewegende Geschichten.
Zeit zum Wegdenken ist immer noch genug. Und zwar ohne sich dabei in bedeutungs-
losem Klingelpop zu verlieren.
In den letzten Jahren waren Lingby viel unterwegs. Unter anderem zu hören mit:
Kyte, Lampshade, Daniel Benjamin (2007), Eight Legs (c/o pop 2008), Torpedo (2008),
Bill Callahan (c/o pop 2009), Sometree (2008, 2010), Joshua Radin (2009, Köln, Gloria),
und Beat!Beat!Beat! (2010). Allein dieses Jahr teilten sie sich Bühnen mit The Black Atlantic
(NL), Sometree (D), Beat! Beat! Beat! (D), spielten eine Europatour mit der US-Band
Mewithoutyou und füllten bei der Cologne Music Week den Kölner Stadtgarten mit über
400 Zuhörern.









